The Last Starfighter

Ein nicht ganz so bekannter "Klassiker" des US-Kinos der 1980er Jahre, der Videospiel Gaming mit Abenteuer und Weltraum verbindet. Wie gut ist "The Last Starfighter"?
Veröffentlich am 5. April 2018 und aktualisiert am 18. März 2022
The Last Starfighter (Starfight - Sieger über tausend Sonnen) Filmstill, Lance Guest am Videospiel-Automat
Rechte: Lorimar

Immer mehr Erwachsene, aber vor allem Kinder und jugendliche lieben Computerspiele. Da gibt es Ego-Shooter, Smups, Platformer, Jump ’n‘ Runs, Racing Simulationen, Sandbox Spiele wie Minecraft und was noch alles. Ein richtiger Lifestyle hat sich zudem darum entwickelt. Aber das war mal anders. Und vom Gaming und wie das mal war, zumindest zum Teil, erzählt der Film The Last Starfighter von 1984.

Spiele sind ja Nonsense!

Daddeln, zocken, Zeit vertrödeln. „Leg die Switch weg!“, „lass doch mal das Telefon in Ruhe“, „immer diese Handy Apps!“. Schaut man auf die Sprache, dann hat das Videospiel einen schlechten Stand. Es gilt als überflüssig, als Entertainment – und zwar eher von der schlechteren Sorte. Ein Buch, das ist was! Ein PC Game…? Au weia. Diese Ressentiments kommen vor allem aus der Generation, die nicht mit AAA Spielen aufgewachsen ist. Von denen, für die Rockstar nur was mit Musik zu tun hat. Aus der Ecke, die noch Vorbehalte hat, gegen das Genre des Computerspiels. Es noch nicht akzeptiert hat, als großes (neues) narratives Medium, eines, dass das Potential hat, dem Film den Rang abzulaufen. Wenn man vom Alter her irgendwie dazwischen hängt, dann ist man vielleicht bisweilen hin und her gerissen. Ist das Game jetzt schon auf einem Level, mit Buch und Film, der TV Serie oder Theater und Oper? Oder doch etwas anderes – und im Zweifel etwas kleineres?

Wer da noch unsicher ist, der setze sich mal mit Kindern zusammen und spiele aufregende geniale Spiele mit den Kleinen. Und erlebe die Begeisterung, die von absurder Action, larger than life Herausforderungen und dem Schlüpfen in Rollen in einem Spiel ausgehen kann. Viele Spiele erlauben dem Spieler zu simulieren, zu empfinden, was Wirkmächtigkeit ist. Die IRL meist unbekannt geworden ist. Wieder erleben, dass unsere Taten etwas bewegen in der Welt, nicht irrelevant sind, es auf uns ankommt.

Die Prämisse

Der Held in The Last Starfighter ist das Ebenbild des Normalos, der gern spielt. Ein Niemand. Lebt in der Provinz. Ein Nerd. Sein Zeitvertreib ist ein Videospielautomat, der im Nirgendwo hinten an einem Laden steht. Das Spiel ist ein „Space Shooter“, ein Mix aus Asteroids und Missile Command. Sowas in der Art. Der Automat ist gut gemacht. Und dieser Gamer der ersten Stunde ist gut in dem Spiel. Jeder kann ja etwas, irgendetwas. Es macht Spaß, aber kaufen kann man sich dafür nix.

Aber jetzt kommt’s:

Dieser Gamer, der Jedermann, das könntest du sein. Und jetzt stell‘ dir vor, eines Abends – gerade hast du das Spiel mal wieder durchgespielt – da tut sich der Himmel auf. Getöse, Wind, ein Lichtstrahl trifft dich. Ein gewaltiger Apparat senkt sich aus den Wolken. Ein mächtiges Raumschiff steigt herab, die Raketenmotoren wirbeln unter ohrenbetäubendem Lärm den Sand um dich herum auf. Es landet. Und heraus kommt jemand und erklärt dir: Dieses Spiel, deine Fähigkeiten als Pilot, dieses Schiff, das alles ist total echt. Und du bist der beste Spieler im Universum. Du bist der auserwählte Pilot. Der interstellare Kampf, er muss geschlagen werden. Und nur du hast die Fähigkeiten, diesen Kampf zu gewinnen!

Bamm! Da ist sie: die größte Prämisse aller Zeiten. Die größte Aufgabe aller Zeiten. Die Welt, die Zukunft, ja das ganze Universum steht auf dem Spiel. Und das Schicksal aller liegt in deinen Händen!

Den Gamer Händen, den Nerd Händen, den Händen des Normalos. Die Heldenreise kann beginnen. In ihrer puresten Form – von der Kleinstadt im Nirgendwo zum galaktischen Krieg der Sterne. Und der Vorwurf, Spiele seien nur überflüssiger Zeitvertreib – in diesem Plot ist das ein für alle Mal beantwortet. Das ist wichtig! Es hat Bedeutung! Ja, ja, Spiele fördern die „Hand Auge Koordination“… aber wofür? Na: dafür! Alles hat einen Sinn. Wie großartig. Wie schön.

The Last Starfighter (Starfight - Sieger über tausend Sonnen) Filmposter
Rechte: Lorimar

The Last Starfighter

Was ab da kommt, ist eigentlich nicht mehr wichtig. Es gibt gute Filme, die weniger leisten, als allein die Prämisse von The Last Starfighter in die Welt gewuppt hat. Hausaufgaben fertig. Mehr muss eigentlich nicht kommen. Würde ja auch an Genialität grenzen, wenn da noch viel, oder noch mehr, oder zumindest noch die bereits auf der Messlatte erreichte hohe Punktzahl gehalten werden könnte. Ohne weitere Spoilergefahr kann man daher sagen: Ja, der Film dekliniert seine Akte noch durch. Es gibt Freundschaft und Exotik, seltsame Creature Effects, Action-Sequenzen und ein versöhnliches Ende. Klar.

Was aus der Distanz dann doch, neben der unglaublichen Prämisse, hängen bleibt, sind die computergenerierten Effekte des Films. Natürlich ist das „space“-Setting des Films dem Hype nach und um Star Wars geschuldet. Was The Last Starfighter aber von Star Wars unterscheidet ist, dass seine Effekte fast ausschließlich direkt im Computer berechnet wurden und nur wenige Szenen mit sog. „practical effects“, also physischen Miniaturen, arbeiteten. Die VFX sind bemerkenswerte Artefakte aus einer prä-ILM Epoche. Denn nicht Industrial Light & Magic war da involviert, sondern die mittlerweile untergegangene Firma Digital Productions aus L.A. Eine von wenigen US „Nerd Outfits“, die damals versuchten, mit ihren Rechnern visuellen Output zu generieren, der für Werbung und Film gut genug war. Insofern teilt Starfighter mehr mit Tron von 1982 und auch der Look der visuellen Effekte ist sehr ähnlich. Eine weitere Parallele mit Tron ist der Designer Syd Mead, der sowohl für Tron fast alle Vehikel entwarf, als auch das zentrale Raumschiff für Starfighter.
Noch ein witziges Detail: ein Auto das „fliegen“ kann und dazu seine Räder „hochdreht“ gibt es im Film auch zu sehen – erfunden hat es, wie so oft, ein Bond, mit dem tauchenden Lotus Esprit und weitergemacht hat es Spielberg/Zemeckis mit dem DeLorean in Back To The Future ein Jahr später in 1985.

Remake oder Sequel

Natürlich nagt in Hollywood trotzdem immer auch der Wille zum „Geld machen“ an solchen Sachen. Und bei den Kreativen der Wille, es besser, größer, schöner zu machen. Daher machen immer mal wieder seit 2008 Gerüchte um eine Fortsetzung oder ein Remake die Runde. Besonders motiviert scheint da der Drehbuchautor Gary Whitta, der es zudem geschafft hat, den originalen Autor des Stoffes, Jonathan R. Betuel, von der Idee zu überzeugen. Betuel hatte sich nämlich bisher gegen ein erneutes Antasten seiner Geschichte gewehrt. Dass die Rechtesituation zudem verworren war, hatte ihm dabei geholfen. All das scheint in letzter Zeit ausgeräumt und Whitta postete Concept Art für eine mögliche Neuauflage in 2018. In 2020 dann sagte er in einem Interview dazu, dass auch die Rechte nun geklärt wären. Wir werden sehen.

Es gibt Reboots, die funktionieren. Andere würde man gern wieder vergessen können. Bei wieder anderen möchte man die „Hollywood cash maschine“ nach ein, zwei Remakes/ Reboots/ „Franchise Melk-Durchgängen“ lieber wieder anhalten, aber da ist der Geist dann oft aus der Flasche…

The Last Starfighter war ein Erfolg damals – und hat seitdem einen warmen Platz in der Erinnerung vieler Kids der 1980er Jahre erhalten. Eine gehörige Portion „auf den Sockel gestellt“ ist da auch dabei. Vielleicht sollte er da bleiben. Nur nicht anrühren.

Sehenswert – in den 1980ern unbedingt! … Danach vielleicht lieber nicht mehr anschauen. Nur davon erzählen.

Filminfos

Originaltitel: The Last Starfighter, neuerer Alternativtitel: Starfight – Sieger über tausend Sonnen
USA – 1984 – 101 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 12

Regie: Nick Castle
Drehbuch: Jonathan R. Betuel
Produktion: Gary Adelson, Edward O. Denault
Kamera: King Baggot
Schnitt: Carroll Timothy O’Meara
Musik: Craig Safan
Mit Lance Guest, Dan O’Herlihy, Robert Preston, Catherine Mary Stewart

Seit Ewigkeiten nicht mehr im TV zu sehen. In skandalöser Missachtung aller Gesetze als Bootleg auf YT.
Deutscher Trailer hier: